In "Svenska Dagbladet", eine schwedische Tageszeitung, vom 15. Februar 2005, findet man einen Artikel über „Gefriertrocknen als neue Bestattungsform“:
Gefriertrocknen- eine neue Bestattungsform
Die Regierung will "das Gefriertrocknen" als eine ökologische Alternative zur Sargbeerdigung und Kremierung (Verbrennung) testen. Ein Versuchsgremium das dafür eingesetzt wurde, fordert keine Gesetzesänderung, laut Stadträtin Lena Hallengren.
Damit kann das erste Promatorium der Welt schon nächstes Jahr in Jönköping starten. Zum ersten Mal seitdem die Feuerbestattung eingeführt wurde, etwa im letzten Jahrhundert, diskutiert man über eine neue Alternative, bezüglich Sargbeerdigung und Gefriertrocknen. Ein etwas ausgefeilteres Wort dafür: Promession.
Vier verstorbene Schweden liegen schon eingefroren und warten darauf, daß die neue Methode in Gang gesetzt wird. Die Pfarrämter im ganzen Land bekommen täglich hohe Interessemeldungen.
— Promession ist so nahe an der Ursprungsebene der Natur wie man überhaupt kommen kann, sagt die Biologin Susanne Wiigh-Mäsak. Auf diese Idee kam sie, als sie mit dem Kompostieren beschäftigt war, bei ihrem ökologischen Anbau auf Orust. In einem verschlossenen Prozeß, der von Aga Gas entwickelt worden ist, entsorgt man auf mechanische Art und Weise Amalganfüllungen. Damit hat man auch ein schwieriges Umweltproblem gelöst: Abwässer von vergastem Quecksilber aus den Krematorien entsorgt.
(Dies kommt bei der Promession nicht vor.)
Wer zuerst Susanne Wiigh-Mäsaks Patent verwirklichen möchte ist die Friedhofsverwaltung in Jönköping. In Kürze wird die Provinzialregierung Stellung nehmen inwieweit eine Umweltprüfung zu den geplanten Promatorium, auf dem Waldfriedhof, vor sich gehen soll. Danach hofft der Staatsarchitekt Lennart Angselius, in einigen Wochen, eine technische Beschreibung von dieser Anlage zeigen zu können.
— Im besten Fall bekommen wir 2005 eine Entscheidung und 2006 den Baubeginn. Daran glauben wir wirklich. Aus ökologischer Hinsicht ist dies die beste Lösung, aber noch wichtiger ist es daß man so nah wie möglich den Worten der Bibel kommt:„Von Erde bist du gekommen“, sagt Lennart Angselius und fügt hinzu:
— Schon nach 6-12 Monaten bist Du schon zurück im Kreislauf. Aber das Gefriertrocknen hat auch Widerstand bekommen. Für sowohl die Geschäftsleitung von Fonus und SBF (große Bestattungsunternehmen Schwedens) meint, daß es ethische und ökologische Unschlüssigkeiten gibt.
Eine Aussage von Lena Hallengren:
— Was ich bis jetzt, an der Entwicklung in Jönköping sehen konnte, muß ich an sie glauben und will sie weiterhin verfolgen. Außerdem meint die Stadträtin, daß die neue Technik sehr viele umweltfreundliche Vorteile mit sich bringt. Auch gesetzmäßig gibt es keine größeren Probleme. Während dieser Zeit hofft Lena Hallengren, daß auch andere Friedhofsverwaltungen dies unterstützen was in Jönköping passiert. Arbeitgeberorganisation des Gemeindebundes der schwedischen Kirche unterstützen ökonomisch den Aufbau der neuen Gefriertrocknungsmethode. Etwa 30 von den 69 Krematorien (Verbrennungsanlagen) im Lande erfüllen nicht die heutigen ökologischen Bedingungen und stehen vor umfassenden Investitionen in moderne Techniken (sie sind sehr kostspielig).
— Dies zeigt, daß die neue Alternative Wirklichkeit werden kann. Es gibt ein sehr großes Interesse bei der Bevölkerung und es ist eine großartige Sache, wenn wir dabei sein können, diese Bestattungsmethode zu entwickeln, sagt Göran Jakobsson (Friedhofsberater des Gemeindeverbundes der Kirche).
Erzbischof Hammar steht dem Versuch positiv entgegen
Der Bischof sieht es positiv, daß die Regierung offen für eine ökologische Bestattungsform ist, trotz Einwendungen bei den Bestattungsunternehmen.
Die schwedische Kirche wusste schon längst über die Pläne der ökologischen Bestattung und die Methode wurde auf einer Bischofskonferenz im letzten Herbst schon behandelt.
— Es ist von Vorteil, wenn Jönköping uns als Pilotprojekt vorgeht, denn daraus können wir nur Erfahrungen sammeln. Sollte Susanne-Wiigh Mäsaks Vision über ökologische Bestattung verwirklicht werden, beurteile ich dies sehr positiv. Das behauptete der Erzbischof KG Hammar zu SvD.
Er meint, daß die Kirche große prinzipielle Debatten schon vor 100 Jahren hatten, als die Feuerbestattung eingeführt wurde.
— Man akzeptierte dies. Ich habe das Gefühl, als ob die Kirche heute recht offen für verschiedene Bestattungsmethoden ist. Verbrennung oder Gefrieren sind beides Prozesse, die eine Zersetzung beschleunigen. Es gibt keine ethischen Unterschiede zwischen Wärme und Kälte, sagt KG Hammar. Er ist der Meinung, daß die Perspektive der Natur für eine ökologische Bestattung spricht, um möglicherweise schnell in den Kreislauf hineinzukommen. Sowohl Fonus und die Organisationen der Bestattungsunternehmen in Schweden meinen, daß die neue Methode nicht in dem Bestattungsgesetz unterstützt wird.
— Wir stehen nicht negativ zur Gefriertechnik, wollen aber darauf hinweisen, daß uns immer noch einige Informationen fehlen, meint Åke Palmgren, Bestattungsverantwortlicher für Fonus.
Die Fragen beziehen sich darauf, was mit den Schwermetallen, die im menschlichen Körper gelagert sind, passiert, und wieviel von den gefriergetrockneten Überresten (Pulver) am Ende wirklich von den Pflanzen als Nahrung übernommen werden.
— Saugt das Pulver die Feuchtigkeit auf, wenn es in die Erde gelangt und kann es dann für Nagetiere auf unseren Friedhöfen zugänglich sein? Was geschieht genetisch, wenn das Pulver in eine Nahrungskette, die von Tier zu Tier übertragen wird und dann wieder zurück zum Menschen gelangt?, fragt Åke Palmgren.
Die genetisch-medizinische Frage, wie auch das Risiko gegen Ansteckung, wird die Provinzialregierung in Jönköping bei seiner Umweltüberprüfung in Betracht ziehen. Die Naturschutzorganisation hatte bis jetzt eine positive Einstellung zu dieser Methode. Åke Palmgren warnt davor, daß man starke Vibrationen auslösen muß, um einen tiefgefrorenen Körper zu Pulver zu bringen. Eine Form, die er nicht für selbstverständlich hält, wenn es sich um eine gute Bestattungstradition handeln soll.
Der Erzbischof KG Hammar erwidert, daß es natürlich sehr wichtig ist eine ethisch akzeptable Technik auszuwählen.
Erfahrungen können durch die Anlage in Jönköping gesammelt werden, denn dort entsteht das Pilotprojekt. Eine neue Methode wird immer ganz genau ausprobiert, aber es gibt Momente in allen neuen Methoden, die wenig angenehm sind, z.B. bei einer Kremierung. Deshalb glaube ich, daß wir sehr vorsichtig sein müssen, was die zu schnelle Benutzung von ethischen Argumenten gegen eine neue Technik betrifft, meint KG Hammar.
Reporter: HENRIK ENNART, henrik.ennart@svd.se
Kremierung (Verbrennung)
- hatte seinen Durchbruch Anfang des 19. Jhd. seitdem die Abflussgewässer der Friedhöfe das Grundwasser verunreinigt hatten.
- "Promierung", oder ökologische Bestattung: "Gefriertrocknen" kann eine Lösung sein, um das Problem zu lösen, das wir mit Quecksilberauslässen haben. Die Krematorien tragen zu 1/5 von allen Auslässen des Landes bei.
So funktioniert es
- Der Verstorbene wird in einen Sarg aus Mais oder Kartoffelstärke gelegt und wird schnell bis 196°C im flüssigen Stickstoff eingefroren.
- Der Körper wird dann sehr zerbrechlich und fällt bei leichter Vibration zu einem feinen organischen Pulver auseinander. Danach wird das Pulver in einer Vakuumkammer abgekühlt.
- Übrig bleiben ca 30 kg gefriergetrocknetes Pulver, das im nächsten Schritt auf 40 cm Tiefe auf einem Friedhof beigesetzt wird. Dort zersetzt es sich schnell mit Hilfe der Würmer und Mikroben in der Erde und wird zu Nahrung für die Pflanzen. Die Angehörigen können auf Wunsch des Verstorbenen ihr Lieblingsgewächs auf das Grab pflanzen.


